Erste Bierrezepte vor 4.000 Jahren

Bierrezepte in Keilschrift

Aus der Zeit um 2.000 v. Chr. stammen erste keilschriftliche Aufzeichnungen über Bierrezepte. Sie beschreiben die Herstellung größerer Mengen, die nicht nur für Götter und Könige bestimmt gewesen sein können. Es sind auch Buchführungen über Abgabe von Getreide aus den staatlichen Lagerhäusern an die "Brauhäuser" erhalten und Rechenschaftsberichte der antiken "Braumeister" darüber, wie viele Biersorten sie aus dem Getreide erzeugt haben - denn es gab schon damals zwischen 12 und 20!

 

Gilgamesch-Epos
Gilgamesch-Epos (ca. 2.000 v. Chr.): Dieses Epos ist eines der ersten Großwerke der Weltliteratur. In ihm spielt Bier eine große Rolle.

Gilgamesch-Epos: Zusammenhang zwischen Kultivierung und Bier

Etwa zur gleichen Zeit entstand eines der ersten Großwerke der Weltliteratur: das Gilgamesch-Epos. Alte Überlieferungen wurden darin zum ersten Mal schriftlich niedergelegt. Das Bier spielt (neben dem Brot) eine große Rolle bei der Menschwerdung: also bei der Entwicklung vom Urmenschen, vom Wilden, zum damals "modernen", kultivierten Menschen. Das Zitat aus dem Epos belegt den Zusammenhang zwischen Kultivierung und Bier. Denn dort wird ein zottiger, beinahe tierhafter (Ur)Mensch beschrieben, der Gras frisst und wilde Tiere melkt. Er ist von urtümlicher Stärke und will seine Kräfte mit Gilgamesch, dem halbgöttlichen Herrscher, messen.

Das wilde Wesen heißt Enkidu, und der vorsichtige Gilgamesch schickt ihm erst einmal eine Dirne. Sie und die Hirten, bei denen sie sich aufhalten, bringen Enkidu nun "Lebensart" bei: "Nicht wusste Enkidu, was Brot war und wie man es zu essen pflegt. Auch Bier hat er noch nicht gelernt zu trinken. Da öffnete die Dirne ihren Mund und sprach zu Enkidu:
"Iss nun das Brot, o Enkidu, denn das gehört zum Leben, trink auch vom Bier, wie es des Landes Brauch!"

Ägypten
Ägyptische Wandmalerei aus dem Grab des Kenamom, etwa 1.500 v. Chr. Es wird die Bierbereitung dargestellt.

In Babylon kannte man 20 verschiedene Biere

Aus Aufzeichnungen geht hervor, dass acht Bier der Babylonier aus reinem Emmer, acht weitere aus reiner Gerste und vier aus einem Getreidegemisch hergestellt worden sind. Und zwar als Dünnbier, feines weißes Bier, rotes Bier, Schwarzbier und "Prima-Bier", einer Art Premiumbier. Der Export ging bis nach Ägypten.

Weil die damaligen Biere trotz der großen Sortenvielfalt nicht klar und blank (also noch nicht gefiltert) waren, benutzte man ein Trinkröhrchen wie einen heutigen Strohhalm, um die festen Rückstände der Bierbereitung nicht mitzutrinken.

Eine bildliche Darstellung babylonischer Biertrinker belegt dieses Trinkverhalten. König Hammurabis drastische "Verordnungen zum Schutze der Verbraucher" sind bis heute erhalten und konnten von der Forschung entschlüsselt und übersetzt werden. So wurde eine Schankwirtin, die Geld (Silber) statt Gerste als Bezahlung für Bier nahm, ertränkt. Das Gleiche passierte, wenn sie minderwertiges Bier ausschenkte. Priesterinnen, die eine Gaststätte betraten oder gar selbst eine eröffneten, wurden kurzerhand verbrannt. So jedenfalls Hammurabis Gesetz.

Der Bevölkerung standen "Bierdeputate" nach ihrer sozialen Stellung zu. Arbeiter und Angestellte erhielten 2 Liter täglich, Verwalter und mittlere Beamte 3 Liter, Provinzverwalter und Oberpriester 5 Liter, weibliches Personal bei Hofe und in den Tempeln 3 Liter süßes Bier. So war das Bier fest mit dem öffentlichen und sozialen Leben verwoben.

Bei den Griechen und Römern gehörte Bierbrauen zum Alltag

Auch nachdem die Kulturen des Vorderen Orients von denen Griechenlands und Roms abgelöst wurden, gehörte Bierbrauen weiterhin zum Alltag. Plinius berichtet von der Beliebtheit des Bieres im Mittelmeerraum, bevor der Weinbau sich dort eingenistet hatte. In den römischen Außenprovinzen, wo Wein weniger gut gedieh, wurde weiter Bier gebraut. Auch germanische und nordische Stämme sowie die Kelten kannten die Bierherstellung.

Die ausführlich dargestellte Braukunst des Vorderen Orients erreichte Europa wahrscheinlich aber nicht über das Mittelmeer, sondern im Zusammenhang mit der Völkerwanderung über eine nördliche Route.

Kulmbacher Bieramphore
Der älteste Nachweis des Brauens auf deutschem Boden stammt aus der Zeit um 800 v. Chr.

Kulmbacher Bieramphore ist der älteste Nachweis des Brauens auf deutschem Boden

Der älteste Nachweis von Bier - bzw. des Brauens auf deutschem Boden - stammt aus der Zeit um 800 v. Chr. Es handelt sich um Bieramphoren der frühen Hallstattzeit, die 1935 in der Nähe von Kulmbach gefunden wurden. Eine Amphore befindet sich heute als Dauerleihgabe im Bayerischen Brauereimuseum in Kulmbach.

Aus der Nähe von Trier stammt ein Bierverlegerstein aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Er beweist, dass Bier auch bei uns bereits ein Handelsobjekt war.

In einem Gräberfeld im bayerischen Straubing fanden Archäologen den ältesten Bierkrug der Welt. Er wurde einem Krieger und offensichtlichen Bierliebhaber im 6. Jahrhundert mit ins Grab gegeben.

Germanen riefen zum maßvollen Genuss auf

Allerdings riefen bereits die alten Germanen zur Mäßigkeit auf! So lautet eine Trinkregel aus der Edda, der alt-isländischen Sammlung von Liedern und Sagen: "Nicht klebe am Becher, trinke Bier mit Maß!"
Wie bei den Ägyptern, so spielte auch später bei den Germanen das Bier als Opfer für die Götter eine wichtige Rolle. Der nordische Gott Ägir brachte sich der Sage nach in den Besitz eines großen Kessels und bewirtete die Götter und ihre Gäste mit Bier.
In der finnischen Volksdichtung Kalewala sind 200 Verse der Erschaffung der Welt gewidmet - 400 aber dem Bier! Ist dies nicht zuletzt ein Beweis dafür, welch große Bedeutung das Bier bei den Germanen hatte?

Bierbrauen war in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung ebenso wie das Brotbacken übrigens Sache der Frauen. Gelang ein Sud besonders gut, lud die "Dame des Hauses" ihre Nachbarinnen zum Bierkränzchen ein. Ein Brauch, aus dem später das Kaffeekränzchen entstand.



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