Das Bierland Brasilien: Eis-Zapfen am Zuckerhut

 

Brasilien und Deutschland: Zehntausend Kilometer Luftlinie sind beide Länder voneinander entfernt – und auf jeden Meter kommt ein Klischee. Zuckerhut und Zugspitze, Amazonas und Alpen, Samba und Sauerkraut.

Zum Glück gibt’s Fußball. Die Weltmeisterschaft und das heutige Halbfinale erinnern uns an ein großes Nationalgetränk, das Deutsche und Brasilianer miteinander verbindet: Cerveja – Bier.

Das Brauhandwerk in Brasilien hat eine lange Tradition. Es waren Einwanderer aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz, die im 19. Jahrhundert die Kunst des Brauens in den Süden des Landes brachten. 1853 soll in der Stadt Petrópolis mit der Herstellung des ersten brasilianischen Biers „Bohemia“ (Böhmen) begonnen worden sein.

Manch kleine Brauerei war mit ihren Bieren in Gründerzeiten so erfolgreich, dass sie erst in Brasilien zum Marktführer aufstieg und dann den Weltmarkt eroberte. So ist auch „Bohemia“ heute noch ein Symbol für den weltweiten Siegeszug brasilianischer Braukunst.

Bier ist und bleibt das Lieblingsgetränk der Nation – in Deutschland wie in Brasilien. Nach der aktuellen Statistik liegt Deutschland mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 106 Litern noch deutlich vor Brasilien (71 Liter). Mehr als 90 Prozent des in Brasilien getrunkenen Bieres ist mildes Lager. Die Deutschen dagegen bevorzugen vor allem hopfenbetontes Pils (mehr als 50 Prozent Marktanteil), gefolgt von Weißbier und Export (beide 10 %). 

Während Bier unter den alkoholischen Getränken in Deutschland einen Marktanteil von 53 Prozent hat, kommt Bier in Brasilien auf mehr als 85 Prozent. Nüchtern betrachtet ist jedoch festzustellen, dass in Deutschland alkoholfreie Biere, Fassbrausen und Biermischgetränke wie Radler immer erfolgreicher werden – Segmente, die in Brasilien allenfalls kleine Nischen füllen.

Allein der Absatz alkoholfreier Biere aus deutschen Brauereien ist 2013 im Vergleich zum Vorjahr um rund zwölf Prozent gestiegen, auf 4,8 Millionen Hektoliter. Dies entspricht gut fünf Prozent der gesamten Bierproduktion. Damit sind Deutschlands Brauer weltweit führend bei der Herstellung hochwertigster alkoholfreier Biere. Viele Sportler – übrigens gerade auch Fußballer – schwören aufs Alkoholfreie und dessen oftmals isotonische Wirkung. Ein Trend, der bald auch Brasilien erreicht?

Brasilianer lieben es eiskalt und süffig: Das Cerveja in Brasilien ist nicht nur deutlich leichter als deutsches Bier, es wird auch sehr viel kühler serviert. In den Worten der Brasilianer: „Estupidamente gelado“ – wahnsinnig kalt – muss Bier in Brasilien sein, wenn es auf den Tisch kommt. Trinktemperaturen kurz vor dem Gefrierpunkt werden in der tropischen Hitze als erfrischend empfunden.                         

Jedoch können die Biere dabei kaum Aroma entfalten. Für deutsche Biertrinker, die ausgeprägte Hopfen- und Malzaromen als die Krönung des Genusses schätzen, ist das Eis-Zapfen in den brasilianischen Kneipen immer wieder ein Erlebnis. Zumal die Biere dort oft Mais oder auch Reis enthalten – was die Getränke etwas leichter macht, jedoch unserem Verständnis vom Reinheitsgebot widerspricht.

Sind in Brasilien bis zu 45 Prozent Maisanteil per Gesetz zugelassen, dürfen nach dem fast 500 Jahre alten Reinheitsgebot in Deutschland zum Brauen nur Wasser, Malz aus Gerste oder Weizen, Hopfen und Hefe als Zutaten genutzt werden. Wie überall auf der Welt orientieren sich aber auch in Brasilien viele Brauereien am Reinheitsgebot von 1516.

Insgesamt bietet sich Gästen in Brasilien eine reiche Vielfalt an verschiedensten Bieren, die für sich betrachtet schon eine Reise wert ist. Auch ohne Fußball.

 

Dieser Artikel ist als Gastbeitrag des Deutschen Brauer-Bundes ebenfalls erschienen auf der Webseite www.lebensmittelwirtschaft.org



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